Bergauf, bergab – mit dem Pedelec rund ums Saarland

Nach meiner letztjährigen Tour über den Froschradweg bin ich ein bisschen vom Radreisevirus infiziert.  Auf der Suche nach einer Tour in der Nähe, die ich über die Osterfeiertage machen könnte, bin ich auf den Saarland-Radweg gestoßen.

Dieser Radweg verläuft über rd. 350 km entlang der Außengrenzen des Saarlands. Nachdem ich über die doch recht anspruchsvolle Streckenführung gelesen hatte (hier ein Link zum Höhenprofil), kam nach dem Umbau des Giant zum Pedelec die Idee auf, diesen Umbau auf eben diesem Saarland-Radweg zu testen. Dabei wollte ich mal sehen, wie praxistauglich der Antrieb auf einer Radreise ist, allerdings mit der Voraussetzung, das ich den Motor nur bei Bedarf bei Steigungen, und nur in der kleinsten von drei Unterstützungstufen einschalten wollte. Und auch, ob für mich Tagesetappen von 120 km machbar sind. Der ausführlicher Bericht steht auf meiner Homepage, hier erst mal in Kürze das wichtigste zum Thema „Pedelec“:

Gestartet bin ich Karfreitag in Nohfelden, bepackt mit rd. 25 kg Gepäck:

Giant, vollgeladen

Direkt nach dem Einstieg in den Radweg ging`s los mit den Steigungen. Und nach den ersten vier oder fünf dieser Art hatte ich den Eindruck, im Saarland ginge es nur bergan und nie bergauf 🙂 Um den Akku zu schonen, schaltete ich wie geplant den Motor auf der kleinsten Stufe nur bei Steigungen zu. Am Abend hatte auf diese Weise rd. 125 km bis Perl-Nettig an der Mosel zurückgelegt. Der Controller am Lenker zeigte noch eine von vier LED, der Akku noch zwei von vier. Leider musste das Rad die Nacht im Freien verbringen und zu allem Überfluss ging nachts ein Gewitter mit starkem Regen nieder. Ich stellte mir die bange Frage, ob die Elektronik, verbaut in der Rahmentasche, den Regen schadlos überstehen würde, denn ich wusste ja, dass da noch ein paar Anstiege auf mich warteten. Am nächsten Morgen stellte sich heraus, das meine Sorgen unbegründet waren, die Elektronik hatte alles gut überstanden.

Die weitere Streckenführung lullte mich zunächst ein, denn es ging idyllisch entlang der Mosel weiter. Aber nach ein paar Kilometern ging es wieder bergauf, gut, dass der Akku wieder voll war. Selbst mit Stromunterstützung musste ich, wie auch gestern, ordentlich mittreten und kam bei frühsommerlichen Temperaturen wieder ganz schön ins Schwitzen. Die Streckenführung behielt ihr anspruchsvolles Relief bis zum Abend in Saarbrücken bei. Nach der vielen Natur und der Einsamkeit traf mich die belebte Fußgängerzone in Saarbrücken fast wie ein Keulenschlag. Am Ende standen auch am heutigen Tage wieder rund 125 km auf der Uhr.

Am Sonntagmorgen war klar, dass ich die letzte Etappe von ebenfalls etwa 120 km nur schaffen würde, wenn ich zunächst ordentlich auf`s Tempo drückte. Das war auch kein Problem, denn die ersten 80 km verläuft die Streckenführung nur moderat aufwärts, gemessen an den Bergen der letzten beiden Tage nahezu eben 🙂 Der Motor blieb also die ersten 80 km, bis auf eine steile Ortsauffahrt, aus, um den Akku zu schonen, das war auch nötig, denn der Anstieg auf den Höcher Berg hat es in sich. Die Abfahrt ist aber, bedingt durch den teilweise grob geschotterten Belag und das starke Gefälle auch nicht ohne. Gemessen am Höcher Berg waren die folgenden Anstiege relativ harmlos und die letzten 20 km bis zum Ziel musste ich mir noch ein Rennen mit drohenden Gewitterwolken liefern.

365 km in drei Tagen, mein Giant und ich hatten es also tatsächlich geschafft! 🙂

Die Länge der Etappen wäre aber bei dem Streckenprofil und bei dem oft doch sehr schlechten, weil oft grob geschottertem, Belag für mich, und für wohl viele andere auch, nicht machbar gewesen.

Während der gesamten Tour kam es zu keinem Ausfall der Elektronik, obwohl die Außentemperaturen und die Feuchte im Gewitter doch recht hoch waren. Die Akkukapazität hat für die o.g. Fahrweise gereicht, auch bei ausgeschaltetem Motor konnte ich in der Ebene und bei gutem Belag Geschwindigkeiten bis 27 km/h erreichen. Auch die Rigida-Sputnik-Felge hat die teilweise ruppigen Streckenbeläge klaglos weg gesteckt.

Fazit:

Ein Pedelec (und auch der Umbau) taugt auch zum Reisen, wenn man den Motor nur an Steigungen und nicht immer in der höchsten Stufe nutzt.

Der Umbau hat sich also auch hier bewährt.

That’s what this pedelec is made for …

Bei den bisherigen Tests bin ich immer mal so um die 20 km gefahren; eine „echte“ Reichweite konnte ich, da ich meist mit wechselnden Unterstützungsstufen gefahren bin, so natürlich nicht ermitteln.

Heute aber war es endlich soweit: Der Wetterbericht versprach prima Bedingungen mit bis zu 26 Grad nachmittags und das herrliche Wetter des letzten Wochenendes tat das Übrige um mich zu motivieren, endlich mit dem Rad auf die Arbeit zu fahren und damit den ersten Test unter realistischen Bedingungen zu fahren.

Die eher kühlen sechs Grad morgens um 5 Uhr konnten mich dann auch nicht mehr schrecken. Die Testvorgaben waren einfach: Mittlere Unterstützung, lockeres Radeln um nicht ins Schwitzen zu kommen. Das gleiche nachmittags dann wieder zurück. Zur Erinnerung: Das war ja genau der Grund, warum ich das Rad überhaupt umgebaut hatte.

Start war um 6:20 Uhr, die mittlere Unterstützung reichte voll und ganz aus um flott unterwegs zu sein und ich genoss die Fahrt durch die erwachende Natur in vollen Zügen. Nach 23,75 km und einer Fahrtzeit von 1 h 05 min. war ich da. Das entspricht einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 21,92 km/h. Und das locker, leicht, ohne einen Hauch Schweiss aber dafür gut gelaunt und mit einem breiten Grinsen.  🙂
Am Ziel hatte ich noch vier von vier „Reichweiten-LED“ an der Bedienkonsole, nur während zwei Anstiegen aus Unterführungen heraus waren es kurzfristig nur noch drei gewesen.

Letztes Jahr war ich die gleiche Strecke mit dem gleichen Rad (allerdings vor dem Umbau) gefahren, hatte 1h 15 min. gebraucht war aber deutlich angestrengter und vor allem geschwitzter im Büro angekommen.

Der erste Teil des Tests war also sehr zufriedenstellend verlaufen.

Für den Nachmittag waren 26 Grad prognostiziert; wegen des jetzt herrschenden Gegenwindes waren wohl noch gefühlte 23 Grad davon übrig geblieben. Auch wenn es mir schwer fiel, fuhr ich die gleiche Strecke, die ich morgens gekommen war, immerhin sollten es ja (halbwegs) vergleichbare Bedingungen sein. Um es kurz zu machen: Es fiel mir schwer, mich an meine Maxime „lockeres Fahren“ zu halten, ich trat während der ersten Hälfte schon ein bisschen mehr in die Pedale als heute morgen; vielleicht lag es an den jetzt kurzen Hosen und dem T-Shirt … 😉

Auf der Rückfahrt war ich 1h 12 min. unterwegs, das ergibt eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 19,79 km/h. Der Unterschied ist einfach zu erklären: Während es morgens überwiegend abwärts geht, geht es nachmittags überwiegend bergauf.  Am Ziel hatte ich noch zwei von vier „Reichweiten-LED“ an der Bedienkonsole, nur während zwei kurzen , aber heftigen Anstiegen war es kurzfristig nur noch eine LED gewesen. Am Akku leuchten noch drei von vier Segmenten grün; aber das glaube ich nicht so recht.

Fazit:

Der erste Einsatz unter den realen Bedingungen, für die ich den Umbau gedacht habe, verlief zu meiner vollsten Zufriedenheit. Die Akkuladung reicht für die geplante Strecke von 47,5 km bei mittlerer Unterstützung voll und ganz aus; ein paar kleine Schlenker sollten auch noch drin sein. Das Pedelec ist damit eine prima „Schönwetteralternative“ zum Auto; das Radtraining kann ich überdies auf dem Weg nach Hause schon beginnen; mit Motorunterstützung und noch kräftigerem Mittreten könnte die magische 60-Minuten-Grenze vielleicht doch geknackt werden. 😉